Vererbung

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Genetisches Grundwissen

Wir alle hatten in der Schule Genetik. Übrig geblieben sind uns zumeist nur Begriffe wie DNA / DNS, Gene, Chromosomen und Zellteilung. Heute, als Züchter, ist das Thema wieder wichtig. Doch weniger die wissenschaftlichen Aspekte sondern die der Praxis. Die Praxis setzt aber einiges an Theorie voraus. 

Das Meerschweinchen hat 32 Chromosomenpaare. Auf dieses Chromosomensträngen liegen die Erbinformationen (DNA / DNS) auf bestimmten Loci (Positionen). Ist ein solcher Genlocus (Genort) bekannt, wird er benannt (Beispiel: 22q12.2). Ist auch die Wirkung des Gens bekannt, wird es benannt (Beispiel: MYH9). Für die Farb- und Rassegenetik werden Allele in Form von Buchstaben verwendet die der Züchter einfach auswendig lernen muss. Ebenso wie die Wirkung und Wechselwirkung der Gene.  Mit diesem Wissen kann der Züchter seine Tiere mit größerer Zuverlässigkeit auf die Zuchtergebnisse einsetzten.



Alle Chromosomenstränge liegen in allen Körperzellen in doppelter, identisch aufgebauter Form vor. Das heißt nicht, das an jedem Genort immer dieselbe Information liegt. Bekanntestes Beispiel ist das Geschlechtschromosom. Bei Säugetieren ist weiblich immer XX und männlich XY. (Bei Hühner ist es umgekehrt. Ob das für alle Vögel gilt, weiß ich nicht.) Das bedeutet, dass das männliche Geschlechtschromosom der Nachzucht immer vom Böckchen vererbt wird. Warum das so ist, zeigt sich in der Besonderheit der Geschlechtszellen. In ihnen liegt immer nur eine Hälfte der Chromosomenstränge vor, damit sie sich mit der des Zuchtpartners verbinden kann. Das Weibchen stellt in der Regel 1 - 8 Eizellen zur Verfügung, die von einem Vielfachen von Spermien (mir sind keine Informationen zur Menge bekannt) bedrängt werden. Doch nur eine einzige kann die Eizelle befruchten. Damit liegen dann wieder beide Chromosomenstränge vor. Das gilt für absolut alle Erbinformationen. 

Die dominanten Allele werden immer großgeschrieben, während die intermediären, kodominanten und rezessiven Allele immer klein geschrieben werden. Wieder etwas, wo man ums Auswendiglernen nicht umhinkommt. Bei den Geschlechtsinformationen wäre die Schreibweise als xY, da Y dominant gegenüber x ist.

Welche Allele für Farben und Rassen verwendet werden, erkläre ich in der jeweiligen Rubrik. Ebenso ihre Wirkung und Wechselwirkung untereinander.

Zellteilung

Folgt

(c) S. Niggemeier


Von dominant bis rezessiv

Der Mönch Gregor Mendel (1822 – 1884) erforschte und bewies mit Hilfe von Erbsen, runden gelben und schrumpeligen grünen, die heute noch gültigen Vererbungsregeln.

Er schuf die Begriffe Dominanz und Rezessiv. Diese wurden später um Intermediär und Kodominant erweitert. Doch was bedeuten diese Begriffe?


Dominante Gene überdecken die Anwesenheit anderer Gene. 

Intermediäre Gene bestehen nebeneinander. Rezessive Gene treten dann zu Tage, wenn sie nicht mehr von dominanten Genen verdeckt werden. 

Kodominante Gene vermischen ihre Informationen.


Phänotyp und Genotyp

Das Zuchtziel des Rassestandard ist eine Selektion auf definierte Schönheitsideale in Phänotyp, also dem was sichtbar ist. Diese Merkmale lassen sich mal mehr, mal weniger leicht / schnell erreichen und festigen. Der Grund darin ist im Genotyp zu finden. Die dominanten Gene sind sichtbar und die rezessiven liegen unsichtbar vor. Am leichtesten ist es an den Farben abzulesen und zu erklären.

Verpaart man zwei optisch (phänotypisch) gleich aussehende Tiere miteinander, die sich aber auf 2 Farbgenen unterscheiden kann es zu einem solch "buntem" Wurf kommen. 

Da aber in einem Wurf keine 16 Welpen auf einmal fallen (statistisch 3 1/2), bedeutet es das die Wahrscheinlichkeit auf diese Nachzuchten für jeden einzelnen Welpen gilt und nicht nur für den Wurf. Einmal Kopfkino bitte: Das Zuchtziel ist Vollfarbe Schwarz. Der Züchter verpaart diese beiden Elterntiere und erhält 6 schwarze Welpen. Die Begeisterung ist so groß, dass dieselbe Verpaarung wiederholt wird. Im zweiten Wurf werden 4 Welpen geboren. 3 in Schwarz und 1 in Schokolade. Dem Züchter mit Genetikwissen ist nun klar, das beide Elterntiere Schoko-Träger sind. Er ist total enttäuscht und gibt beide Tiere an eine Züchterin ab, die gerne Schokolade in ihren Linien hätte. Sie wiederholt die Verpaarung ein letztes mal und hofft auf mehr Welpen in Schokolade. Bei schwarzer Nachzucht besteht ja die Chance das sie zumindest Schoko-Träger sind. Mit Spannung wird der Wurf erwartet. Es fallen 2 Welpen in Schokolade, 3 in Schwarz Rot mit unterschiedlicher Farbverteilung und eines in Schokolade Gold. Sie weiß nun, das die Eltern nicht nur spalterbig auf Schokolade sind, sondern auch noch auf Scheckung. Daraus ergibt sich nun für alle Welpen dieser Elterntiere: keins ist zuverlässig dem Genotyp zuzuordnen der dem Phänotyp des Zuchtwunsches beider Züchter entspricht.

Genauso, wie sich Farben vererben, vererben sich auch Typ und Bau, Kopf, Augen und Ohren. Das selbe gilt natürlich auch für die Qualität und Platzierung von Rosetten, Wirbeln, Kämmen und Kronen und die Haarstruktur. 

Durch Selektion werden die gewünschten Merkmale des Zuchtziels heraus gezüchtet.


Zuchtziel

Bevor man die erste Verpaarung setzt, sollte man sich ein Zuchtziel setzten. Einmal Babys haben oder gesunde Tiere zu züchten sind die denkbar schlechtesten Ideen dafür. Gesunde Tiere sind die wichtigste Voraussetzung und sollte daher nicht das Ziel sein. Den Wunsch einmal Babys aufwachsen zu sehen ist absolut verständlich und nachvollziehbar, aber ... es gibt davor, während dessen und danach einen großen Berg an Wissen der einem bei dem Gedanken an die Freude über die kleinen Wesen oft nicht klar ist. An anderer Stelle mehr dazu. [... folgt ...] 

Das Zuchtziel sollte sich immer am Zuchtstandard orientieren. Darin ist festgehalten welche Anforderungen an eine Rasse oder Farbe gestellt sind. Im Großen und Ganzen sind sich da alle Verbände, Vereine, Clubs und Interessengemeinschaften (IG) einig. Jedoch ist es jeder Vereinigung freigestellt eigene Schwerpunkte oder Spielräume zu setzen. Daher macht es viel Sinn sich vor dem Eintritt in eine solche Züchtergruppe mit dessen jeweiligem Standard zu befassen.

Mit welcher Zuchtmethode man das Zuchtziel erreicht hängt sehr von eigenen Überzeugungen und noch viel mehr von der Verbreitung der jeweiligen Rasse und Farbe ab. Bei Rassen und Farben die sehr häufig gezüchtet werden und stark verbreitet sind, so das es ein leichtes ist neue Zuchttiere hinzu zukaufen, können in Reinzucht mit sehr kleinen Gruppen gezüchtet werden. Bei der Verdrängungszucht, wird versucht unerwünschte Gene heraus zu selektieren und die gewünschten zu stärken. Dominate Gene loszuwerden ist recht einfach. Sieht man sie nicht mehr, sind sie auch nicht mehr vorhanden. Schwieriger ist es bei rezessiven Genen. Die können sich über unzählige Generationen verdeckt weiter vererben. Erst wenn entsprechende Nachzucht gefallen ist, weiß man das sie noch vorhanden sind. Inzucht und Inzestzucht können solche rezessive Gene aufdecken. Inzucht ist die Verpaarung verwandter Tiere. Inzestzucht ist die Verpaarung von Eltern und Kindern und Vollgeschwistern untereinander. Die Linienzucht ist eine Mischung der genannten Methoden.


Vor- und Nachteile der verschiedenen Zuchtmethoden


Zuchtmethode


Pro
Contra
Reinzucht

Farbe: Solange nichts unerwartetes eingekreuzt wurde, eine stabile Sache.

Rasse: Solange nichts unerwartetes eingekreuzt wurde, eine stabile Sache. 

Immunsystem: Je weiter der Verwandtschaftsgrad ist, desto besser die Immunabwehr.

Erbkrankheiten: Kein Vorteil

Farbe: Unerwünschte Gene können leicht eingeschleppt und unter Umständen sehr spät oder gar nicht entdeckt werden

Rasse: Unerwünschte Gene können leicht eingeschleppt und unter Umständen sehr spät oder gar nicht entdeckt werden 

Immunsystem: Kein Nachteil

Erbkrankheiten: Sie werden unter Umständen nie entdeckt.

Verdrängungszucht


Farbe: Solange nichts unerwartetes eingekreuzt wurde, eine stabile Sache. 

Rasse: Solange nichts unerwartetes eingekreuzt wurde, eine stabile Sache. 

Immunsystem: Je weiter der Verwandtschaftsgrad ist, desto besser die Immunabwehr. 

Erbkrankheiten: Kein Vorteil

Farbe: Unerwünschte Gene können leicht eingeschleppt und unter Umständen sehr spät oder gar nicht entdeckt werden

Rasse: Unerwünschte Gene können leicht eingeschleppt und unter Umständen sehr spät oder gar nicht entdeckt werden 

Immunsystem: Kein Nachteil 

Erbkrankheiten: Sie werden unter Umständen nie entdeckt.

Inzucht =

Onkel & Nichte, Tante & Neffe, Cousin & Cousine und weiter entfernt Verwandte


Farbe: Gewünschte Ergebnisse werden viel schneller fixiert und unerwünschte Gene viel schneller aufgedeckt.

Rasse: Gewünschte Ergebnisse werden viel schneller fixiert und unerwünschte Gene viel schneller aufgedeckt. 

Immunsystem: Kein Vorteil

Erbkrankheiten: Sie können schneller aufgedeckt werden und eine entsprechende Handlung kann erfolgen.

Farbe: Kein Nachteil 

Rasse: Kein Nachteil

Immunsystem: Es kann zur Selektion auf eine eingeschränktere Immuntoleranz kommen.

Erbkrankheiten: Kein Nachteil

Inzestzucht =
Rück- & Geschwister-verpaarung


Farbe: Gewünschte Ergebnisse werden viel schneller fixiert und unerwünschte Gene viel schneller aufgedeckt. 

Rasse: Gewünschte Ergebnisse werden viel schneller fixiert und unerwünschte Gene viel schneller aufgedeckt. 

Immunsystem: Kein Vorteil

Erbkrankheiten: Sie werden schneller aufgedeckt und eine entsprechende Handlung kann erfolgen.

Farbe: Kein Nachteil

Rasse: Kein Nachteil 

Immunsystem: Es wiederholt sich immer nur das bestehende Immunsystem und somit erfolgt kein weiterer Ausbau gegen anderen Infektionsdruck und neue Erreger.

Erbkrankheiten: Kein Nachteil

Linienzucht


Farbe: Unerwünschte rezessive Gene werden schneller entdeckt als bei Rein- oder Verdrängungszucht. 

Rasse: Unerwünschte rezessive Gene werden schneller entdeckt als bei Rein- oder Verdrängungszucht. 

Immunsystem: Durch gelegentlich zugekaufte Böcke ist das Immunsystem schon mit der nächsten Generation deutlich verbessert.

Erbkrankheiten: Sie bleiben nicht so lange unentdeckt wie bei Rein- oder Verdrängungszucht.

Farbe: Kein Nachteil 

Rasse: Kein Nachteil 

Immunsystem: Kein Nachteil, wenn man regelmäßig die Linien durch fremdes Blut auffrischt.

Erbkrankheiten: Sie werden nicht ganz so schnell entdeckt.

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